{"id":7181,"date":"2010-01-08T19:06:49","date_gmt":"2010-01-08T17:06:49","guid":{"rendered":"http:\/\/aliens-project.de\/blog\/?p=7181"},"modified":"2010-01-08T19:07:04","modified_gmt":"2010-01-08T17:07:04","slug":"mein-lebenslauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aliens-project.de\/blog\/2010\/01\/08\/mein-lebenslauf\/","title":{"rendered":"Mein Lebenslauf"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mein Lebenslauf<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich wollte ich gar nicht kommen. Das geschah erst viel sp\u00e4ter und ich wurde zweimal Vater.<br \/>\nAls ich geboren wurde, war ich noch sehr jung.<br \/>\nMeine Eltern waren gerade nicht zugegen. Sie waren auf dem Feld und holten Kartoffeln. Es war nicht unser Feld, aber wir holten die Kartoffeln immer dort.<br \/>\nMein Vater ist jetzt im Gef\u00e4ngnis, wegen seines Glaubens; er glaubte, er brauche die Miete nicht zu bezahlen.<\/p>\n<p>Wir sind zu Hause 20 Geschwister. 10 Jungen, 9 M\u00e4dchen und ein Blindg\u00e4nger; der Blindg\u00e4nger war ich.<br \/>\nWir schliefen alle in einem Zimmer, mit Gasmaske. Das Handtuch stand gleich hinter der T\u00fcr.<br \/>\nDa wir nur ein Bett hatten, war es mit dem Schlafen sehr schwierig. Meine Mutter legte erst ein Kind ins Bett, nahm es wieder heraus, nachdem es eingeschlafen war und stellte es an die Wand. Dann kam der n\u00e4chste dran. Nur mit dem Wecken klappte es nicht immer so recht. Ich bin einmal 14 Tage stehengeblieben, ohne da\u00df es jemand merkte.<\/p>\n<p>Wir waren auch eine sehr musikalische Familie.<br \/>\nMein Vater war ein Pianotr\u00e4ger und blies uns \u00f6fter mal den Marsch.<br \/>\nMeine Mutter pfiff aus dem letzten Loch und n\u00e4hte auf einer Singer- N\u00e4hmaschine.<br \/>\nMein \u00e4ltester Bruder war S\u00e4nger und sank immer tiefer, jetzt brummt er schon 3 Jahre im Sing-Sing.<br \/>\nAm musikalischsten war meine kleine Schwester, sie ging schon bei der Geburt fl\u00f6ten.<br \/>\nIch spielte derweil die erste Geige.<\/p>\n<p>Unsere Familie war auch sehr intelligent.<br \/>\nEin Bruder von mir war an der Universit\u00e4t. Er steht dort in Spiritus, denn er hatte 2 K\u00f6pfe.<br \/>\nEin anderer Bruder war Verwandlungsk\u00fcnstler. Er ging mit einem alten Mantel in ein Caf\u00e9 und mit einem neuen wieder heraus.<br \/>\nEin anderer war Klempner. Was er bei Tag klempte, wurde nachts verl\u00f6tet.<br \/>\nEiner meiner Br\u00fcder war im Strandbad besch\u00e4ftigt. Er steht dort als Brause, denn er hat einen Wasserkopf.<\/p>\n<p>Meine Schwester ist sehr d\u00fcnn, sie mu\u00df zweimal zur T\u00fcr hinausgehen, um einmal gesehen zu werden.<br \/>\nMeine \u00e4lteste Schwester hat Zwillinge, sie sehen sich sehr \u00e4hnlich, besonders das eine.<br \/>\nSie hei\u00dfen alle Fritz, bis auf Paul, der Emil hei\u00dft.<\/p>\n<p>Ich bin auch zur Schule gegangen und war der Liebling der Lehrer, denn\u00a0ich durfte verschiedene Klassen zweimal besuchen, w\u00e4hrend die anderen in eine andere Klasse mu\u00dften.<br \/>\nEinmal wurde in der Geschichtsstunde gefragt, was Goethe von Beruf gewesen ist.<br \/>\nIch antwortete: &#8222;Damenschneider&#8220;. &#8222;Warum?&#8220; Ich sagte: &#8222;als er in Gretchens Zimmer kam, sagte er, hier will ich s\u00e4umen.&#8220;<br \/>\nIn der Rechenstunde fragte mich der Lehrer: &#8222;Wenn du beim B\u00e4cker 10,- DM, beim Fleischer 20,- DM und beim Kaufmann 40,- DM Schulden hast; wieviel Schulden hast du dann insgesamt?&#8220; Ich antwortete: &#8222;Das wei\u00df ich nicht, wenn es soweit ist, ziehen wir meistens um.&#8220;<\/p>\n<p>Als ich aus der Schule kam, ging ich zu einem Schmied in die Lehre.<br \/>\nEr gab mir einen Hammer und sagte: &#8222;Wenn ich nicke, schl\u00e4gst du zu!&#8220;. Er nickte nie wieder.<\/p>\n<p>Dann wurde ich Fotograf. Es kam einer zu mir und fragte, ob ich seine Familie vergr\u00f6\u00dfern wollte. Ich sagte ihm, da\u00df der das machen soll, der das begonnen hat.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Danach arbeitete ich bei einem Kaufmann. Dort war es hinter dem Tresen\u00a0sehr glatt. Ich rutschte eines Tages aus und fiel mit der Hand in die Ladenkasse. Als ich dann auch noch einen Krampf bekam, verstand er das falsch und entlie\u00df mich.<\/p>\n<p>Dann kam ich zu einem Schlachter in die Lehre, wo ich abends immer Knochen mitnahm. Eines Tages wurde es entdeckt und man entlie\u00df mich. Daf\u00fcr bekam ich aber ein gutes Zeugnis, darin stand: Er war ehrlich &#8211; bis auf die Knochen.<\/p>\n<p>Dann kam ich zu einem Tischler. Nach vier Wochen konnte ich besser hobeln als der Alte und mu\u00dfte gehen.<\/p>\n<p>Dann wurde ich Vertreter.<br \/>\nMein Chef war sehr neugierig und fragte, was ich fr\u00fcher von Beruf gewesen sei. Ich antwortete: &#8222;Ich habe den \u00d6lsardinen die Augen geschlossen, bevor sie in die B\u00fcchsen kamen&#8220;.<br \/>\nIhm fiel auch auf, da\u00df ich eine sehr langsame Aussprache habe.<br \/>\nEr fragte: &#8222;Geht bei ihnen \u00fcberhaupt etwas schnell?&#8220; Ich sagte: &#8220; Ja, ich werde sehr schnell m\u00fcde.&#8220;<br \/>\nUm 8.00 Uhr nahm ich mein Fr\u00fchst\u00fcck ein. Da kam der Chef und br\u00fcllte: &#8222;Hier gibt es kein Fr\u00fchst\u00fcck!&#8220; &#8222;Das dachte ich mir,&#8220; sagte ich, &#8222;darum habe ich mir meines gleich mitgebracht.&#8220;<\/p>\n<p>Dann bin ich zur B\u00fchne gegangen.<br \/>\nDa hatte ich in dem St\u00fcck zu sagen: &#8222;Sie kommen noch nicht!&#8220; Bei der Generalprobe habe ich gefehlt. Dann kam die Premiere. Als ich auf die B\u00fchne kam, war in der Mitte ein Kasten, aus dem eine Frau mit einer Brille heraussah. Sie fl\u00fcsterte mir zu: &#8222;Sie kommen noch nicht!&#8220; Da habe ich mir gesagt, dann eben nicht, und bin gegangen.<br \/>\nDer Direktor sagte, ich sei unbezahlbar. Ich habe auch kein Geld bekommen.<br \/>\nAber er hat mir pers\u00f6nlich die Hand gedr\u00fcckt, und zwar mitten ins Gesicht.<\/p>\n<p>Wenn man nichts kann und nichts wei\u00df, bleibt einem nur der letzte Ausweg.<br \/>\nSo bin ich Polizist geworden. Mein Wachtmeister zeigte mir mein Revier. &#8222;Dort bis zu dem roten Licht reicht ihr Revier. Das m\u00fcssen sie abgehen!&#8220; Ich bin es abgegangen.<br \/>\nNach 14 Tagen war ich wieder zur\u00fcck, denn das rote Licht war das R\u00fccklicht eines Spediteurs, der nach\u00a0Frankfurt fuhr.<\/p>\n<p>Neulich war ich bei\u00a0meinem Onkel\u00a0zu Besuch, die war sehr sparsam.<br \/>\nNur um einen Hund zu sparen, gehen sie nachts vor&#8217;s Haus und bellen. Wenn sie abends im Bett noch lesen, machen sie jedesmal das Licht aus, wenn sie umbl\u00e4ttern.<\/p>\n<p>In einem Warenhaus traf ich Onkel\u00a0G\u00fcnter und sah gerade, wie er ein paar Socken einsteckte. Ich sagte ihm, da\u00df man das doch nicht machen darf. Er meinte, ob ich nicht lesen k\u00f6nne. Auf dem Schild steht doch &#8222;Maus graue Socken, solange der Vorrat reicht!&#8220;<\/p>\n<p>In der letzten Zeit konnte ich mich selbst nicht mehr leiden.<br \/>\nGestern habe ich mich auf der Stra\u00dfe stehenlassen und bin allein weitergegangen.<br \/>\nDann tat ich mir leid und wollte mich wiederholen, doch als ich mich umsah, war ich jedoch nicht mehr da.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Lebenslauf Eigentlich wollte ich gar nicht kommen. Das geschah erst viel sp\u00e4ter und ich wurde zweimal Vater. Als ich geboren wurde, war ich noch sehr jung. Meine Eltern waren gerade nicht zugegen. Sie waren auf dem Feld und holten Kartoffeln. 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